Zusammen mit dem Wilden Wahn haben wir uns heute auf die Erkundung des höchstgelegenen Dorfes des Kantons Tessin begeben (1506 m ü. M.). Das Walserdorf Bosco Gurin ist der einzige Ort in der italienischen Schweiz mit deutscher Sprache (Walserdeutsch - hier gibt es eine Hörprobe) und Kultur.
Der Multi Bosco Gurin GC1V083 wurde von BelTicino in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft Walserhaus Gurin konzipiert. Er führt in 9 Stationen in und um das Dorf.
Interessant sind die "Pilze", die man an den hölzernen Stadeln findet:
In Bosco Gurin finden sich noch 15 Bauten, die als Walser Getreidespeicher bezeichnet werden können. Bei diesem "torba" genannten Getreidespeicher handelt es sich um einen auf einem Mauersockel errichteten Holzbau. Das Mauerwerk enthielt normalerweise den Stall oder einen Abstellraum. Der Holzbau ist durch eine gewisse Anzahl "Pilze" vom Mauerwerk isoliert. Diese bestehen aus Holz oder Mauerstielen, auf denen grob gerundete Granitplatten liegen, welche die Mäuse am Erreichen der Kornkammer hindern. Diese Speicher waren der sicherste Ort, um verschiedene Produkte wie Roggen und Gerste vor Feuchtigkeit und Nagetieren zu schützen (Quelle).
Das Museum ist in einem ehemaligen, 1386 erbauten Doppelwohnhaus untergebracht, das weitgehend original erhalten ist. Es ist damit eines der ältesten erhaltenen Bauernhäuser der Schweiz und bietet jede Menge anschaulich aufbereitete Informationen über das harte bäuerliche Leben an einem so abgelegenen Ort. Wirklich sehenswert!
Dazu haben wir hier die Schweizer Werbefigur Knorrli kennengelernt, deren Schöpfer Hans Tomamichel aus Bosco Gurin stammt. Dem ist dort im Walserhaus ein eigenes Zimmer mit einigen seiner Zeichnungen gewidmet.
Sehr gut hat uns der kleine Bauerngarten mit den alten Kultursorten gefallen, der in Zusammenarbeit mit Pro Specie Rara entstanden ist - hier wächst Schabzigerklee von Vättis (im Foto), Hoher Roter Krauser Federkohl, tiefschwarze Malven, aber auch Küttiger Rüebli und vieles mehr.
Überbleibsel vom 1. August?
Weiter geht's mit einem Gang durchs Dorf. Blick von der Kirche auf den darunter liegenden Friedhof
In der Touristenpension Edelweiss kehrt niemand mehr ein, dabei ist das Dorf mit seinen 70 verbliebenen Dauereinwohnern vom Tourismus abhängig. Vor vielen Jahren haben wir dort noch gegessen.
Aber es wird auch neu gebaut. Hier konnten wir Steinmetze beobachten, die in unglaublich aufwändiger Arbeitsweise die Granitsteine für die traditionelle Außenverkleidung von Hand behauen.
