Brot - politically correct?
Gestern hatte Helmut einen frühen Gerichtstermin in Würzburg, der eine Anreise am Vorabend notwendig machte. Seinen Vorschlag, ihn doch zu begleiten und einen Bummel durch unsere alte Studienstadt anzuschließen, habe ich gerne angenommen.

Am Schmalzmarkt, ganz in der Nähe des Marktplatzes sind wir auf einen Laden mit einem auffallenden Brotangebot gestoßen: eine üppig bestückte Brottheke, selbst im Fenster stapeln sich die sehr großen Bauernbrotlaibe, vor dem Geschäft Schalen mit Versuchshäppchen. Klar, sofort wird getestet. Das Brot schmeckt uns sehr gut und wir beschließen, etwas "Steinmühlenbrot wie früher" aus "Europas größter Steinmühle" ohne jegliche Zusätze mitzunehmen.
Im Laden dann unter anderem noch verschiedenste Aufstriche (auf den ersten Blick vegetarischer Art) im Angebot, stark vertreten auch der momentan allgegenwärtige Bärlauch, aber auch veganes "Schmalz ohne Schwein".
Nachdem wir je ein Stück vom runden Spessart Bauernbrot natur (ohne Gewürze) und vom länglichen Krustenbrot ("das kommt gleich am Anfang bei hoher Hitze in den Steinbackofen und entwickelt dadurch einen besonders hohen dunklen Krustenanteil") erstanden haben (wobei die Preise ganz schön gesalzen ausfallen), fragt uns die freundliche Verkäuferin, ob wir aus Würzburg seien. Als wir verneinen, packt sie uns noch einen Katalog mit in die Tüte und meint, das Brot könne man ja auch bestellen.

Am Abend zu Hause schaue ich mir Tüte und Katalog mal genauer an: Lebe Gesund heißt der Laden und wirbt mit "friedfertigem Landbau in Dreifelderwirtschaft". "Güter Neu Jerusalem" im Logo verweist allerdings auf einen religiösen Hintergrund. Im Katalog sucht man nach Paten für ein "Gnadenland Heimat für Tiere" der Gabriele-Stiftung ("Das Saamlinische Werk der Nächstenliebe an Natur und Tieren, Dein Reich kommt, Dein Wille geschieht, Bete und arbeite") Beim Googlen wird schnell klar, dass hinter Lebe Gesund die Sekte Universelles Leben steht (siehe dazu auch hier Wikipedia, hier im Grünen Blatt, hier die evang. Informationsstelle).
Gut, dass ich keinen direkten Zugriff auf einen der Läden habe. Das Brot schmeckt nämlich wirklich ausgesprochen gut und so wäre ich vielleicht doch mal in Versuchung gekommen, dort einzukaufen. Was meint Ihr dazu: "Sektenbrot" - ein no no?







